• Zarmina Penner

Das Drama-Dreieck



Im Kern jedes menschlichen Dramas befindet sich ein Dreieck mit drei Personen, das Drama-Dreieck.


Drama definiere ich hier als eine Situation, die zu emotional aufgeladenen Gedanken führt, die die Beteiligten für längere Zeit immer wieder geistig beschäftigt und zu unüberlegten Aktionen führen kann. Diese belastende Situation kann lange anhalten und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.


Drama ist ein integraler Bestandteil des menschlichen Daseins; es kann jedem überall begegnen: am Arbeitsplatz, zu Hause, in der Schule, auf dem Spielplatz, beim Sport, wo auch immer.

Unkontrolliert hat Drama das Potenzial in Gewalt zu enden. Umgekehrt kann uns Drama auch helfen, widerstandsfähiger zu werden, wenn wir damit gut umzugehen lernen.


Glücklicherweise hat jedes Drama das gleiche Muster, obwohl es sich inhaltlich von Fall zu Fall unterscheidet. Sobald wir das Muster verstanden haben, ist es einfach, Situationen früh zu erkennen, die zu einem Drama führen können und sie rechtzeitig aufzulösen.


Der Schlüssel zur Auflösung des Dramas ist die Beseitigung des Drama-Dreiecks.


Wie das geht werden Sie gleich erfahren.


Aber warum sollten wir uns um den guten Umgang mit solchen drama-behafteten Situation bemühen?


In Zeiten erheblicher Umbrüche und Veränderungen wie die heutigen sind psychische Belastungen bereits ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens und beeinträchtigen bereits unsere Gesundheit. Es besteht keine Notwendigkeit, dem Mix noch mehr Stress hinzuzufügen, daher ist die Verhinderung von Drama eine kritische Aufgabe, jetzt, aber auch in Zukunft, wenn Stabilität und Kontinuität wiederhergestellt sind.


Drama ist ein universelles menschliches Dilemma. Sobald Sie aber den Mechanismus des Drama-Dreiecks verstanden haben, können Sie Ihr Leben leicht entdramatisieren.


Beim ersten Verdacht eines drohenden Dramas fragen Sie sich drei einfache Fragen:

1. Wer spielt welche Rolle im Drama-Dreieck?

2. Welche Rolle ist mir zugeschrieben und wie kann ich von dieser Rolle Abstand nehmen?

3. Wie kann ich aufhören, in potenziellen Drama-Dreiecken einzusteigen?


Aber lassen Sie mich Ihnen zuerst den Hintergrund erklären.


Wie jeder andere Mensch habe auch ich meinen Anteil an Dramen erlebt. Immer wieder fühlte ich mich dazu animiert (getriggert), eine Rolle im Dreieck anzunehmen. So sehr ich auch wollte, konnte ich nicht aufhören, immer wieder in die mir angebotenen Drama-Dreiecke einzutreten. Keine Schutztaktik funktionierte – schweigen, nicht reagieren, überreagieren, vermeiden, ignorieren. (Menschen, mit denen ich als Coach zusammengearbeitet habe, berichten Ähnliches.) Alles, was ich tat, schien die Sache noch schlimmer zu machen – ein großes Rätsel.


Nichts ergab einen Sinn, bis ich plötzlich verstand.


Die Erkenntnis kam unvermittelt und in meinem neuen Bewusstsein kam alles, was ich über das Thema wusste (meine eigene Erfahrung, die Geschichten anderer, gelernter Stoff, zahlreiche Beobachtungen) zusammen. Plötzlich entdeckte ich die Lösung: das Allheilmittel für ein universelles Dilemma, das Drama-Dreieck.


Was ist aber ein Drama-Dreieck und wie führt es zu einer belastenden Situation?


Stellen Sie sich eine Bühne vor.

Auf der Bühne gibt es vier Markierungen, auf denen die Schauspieler stehen und spielen können. Drei Markierungen bilden ein Dreieck; eine Markierung ist außerhalb des Dreiecks.


Bevor die Schauspieler auf die Bühne gehen, fragt sie der Regisseur, welche Position sie einnehmen und spielen möchten. Vier Rollen stehen zur Auswahl:

1 Opfer

2 Täter

3 Retter / Lebensretter

4 Beobachter

Nehmen wir an, die Schauspieler entscheiden sich dafür, im Dreieck zu spielen (Position 1 - 3, also Opfer, Täter und Lebensretter). Die Beobachter-Position (Position 4) bleibt leer.


Wir im Publikum schauen nun den Schauspielern zu und sehen, wie sich aus einem zunächst unschuldigen und freudigen Gespräch zwischen dem Opfer und dem Täter nach und nach ein ausgewachsenes Drama entwickelt.


Im ersten Akt lockt der charmante Täter das Opfer lächelnd ins Dreieck. Nichts weiter. Nach einiger Zeit allerdings ändert sich die Stimmung des Täters und der Täter beginnt das designierte Opfer subtil dazu zu bewegen (triggern), die entsprechende Opfer-Rolle im Dreieck einzunehmen. Das designierte Opfer hat ein offenes und zulassendes Gemüt und ist darin unerfahren, Nein zu sagen. So ist es ein leichtes Spiel.


Das Opfer, das den Stimmungswechsel merkt, ist verwirrt und signalisiert dem Lebensretter, dass es Hilfe braucht. Der Lebensretter springt zur Rettung des Opfers sofort ins Dreieck und nimmt die schützende Position des Retters ein. Der Täter lehnt sich zurück, lächelt selbstgefällig, genießt die Reaktion der beiden und das Drama beginnt.


Im zweiten Akt sehen wir das Opfer und den Retter zusammengekauert, stundenlang miteinander redend, die Situation immer wieder analysierend. Wir beobachten, wie der Retter, möglicherweise selbst früher das Opfer anderer Dreiecke, versucht, das Opfer aufzuklären. Der Retter will das Opfer auf die Thematik sensibilisieren, spricht über die Vorteile des Nein-Sagens und bessere Reaktionsweisen auf die Aktionen des Täters. Leider vergeblich. Das Opfer will die Position nicht verlassen. Es ist noch nicht soweit.


Im dritten Akt sehen wir das Opfer, mittlerweile sichtlich belastet. Es versucht, die eigene Stimmung mit unüberlegten Handlungen zu kompensieren. Dies führt jedoch zu neuem Stress. Es fühlt sich zunächst gut an, übermäßig viel zu essen, Tage im Bett zu verbringen, sich nicht zu bewegen, zu viel Geld auszugeben, sich zu isolieren, übermäßig viel zu feiern, zu trinken. Alles im Übermaß. Der Täter ist jetzt fest im Kopf des Opfers verankert. Wir beobachten, wie das Opfer, wie besessen, vergangene Ereignisse immer wieder versucht zu verstehen und zu bewerten. Damit setzt es sein Leiden selbst weiter fort.


Nach einer langen Pause im vierten Akt sehen wir, dass sich die Stimmung des Opfers gewandelt hat.

Das Opfer, das nun genug erlebt hat und sich dazu entschließt, das Drama-Dreieck zu verlassen.

Durch das anhaltende Leiden ist ein neues Bewusstsein entstanden. Das schützt das Opfer vor weiterem Schaden. Wir sehen zu, wie nun das Opfer fest entschlossen das Drama-Dreieck verlässt und sich auf die Beobachter-Position begibt.

Wenig später gesellt sich der Retter dazu, der plötzlich seine eigene Rolle im Dreieck begriffen hat. Nur durch das Dreier-Spiel war das Dreieck überhaupt möglich. Beide analysieren jetzt aus der Beobachter-Position, warum und wie sie beide den Tricks des Täters zum Opfer gefallen sind.


Im fünften und letzten Akt sehen wir den Täter allein im Dreieck stehend, dem Opfer neue Tricks anbieten.

Das nun selbstbewusste Opfer und der inzwischen aufgeklärte Retter weigern sich jedoch, mitzuspielen. Der Täter versucht es immer wieder hartnäckig, aber gibt nach einer Weile auf. Er verlässt das Dreieck auf der Suche nach neuen Opfern.


Der Täter ist machtlos, wenn das Dreieck nicht besteht. Das Drama hat keine Grundlage mehr und löst sich selbst auf.


Der Vorhang fällt. Das Ende des Dramas.


Was ist nun das Geheimnis dieser plötzlichen Immunität gegenüber den Tricks des Täters?

1. ausreichend gelitten zu haben,

2. sich auf die eigene Macht zurückzubesinnen,

3. die Dynamik des Drama-Dreiecks zu verstehen,

4. bessere Beobachtungsfähigkeit,

5. effektiverer Umgang mit den eignen Triggern.


Stellen Sie sich Claire vor.

Sie kennt das Drama-Dreieck gut, hat viel erlebt und überwunden:

Immer wenn Claire ihre Trigger spürt (subtile Irritation, Groll oder Wut) und beobachtet, wie sie von einer bestimmten Situation wie besessen ist, weiß sie sofort, dass wieder ein Drama-Dreieck auf sie wartet. Sie erkennt ihre lebensrettenden Tendenzen, versteht, dass Täter, die als Opfer posieren, sie dadurch leicht ins Dreieck locken und sie später zum Opfer umwandeln können. 
Anmerkung: Neben Wut sind übrigens Angst oder auf Scham basierender Stolz die anderen beiden häufigsten Trigger.


Sobald sie diese Anzeichen bemerkt, hält sie inne und beruhigt sich zuerst. Dann wechselt sie in die Beobachter-Position, um zu analysieren und zu reflektieren:

Wie ist dieses Dreieck aufgebaut? Wer hat welche Rolle? Wie entwickelt sich gerade das Drama?

Sie verstärkt ihre Grenzen, schafft professionelle Distanz und bleibt aufmerksam. Und geht unbekümmert weiter. Das ist alles.


Diese Vorgehensweise funktioniert wie ein Zauber, und es ist zu dem in gewisser Weise amüsant, wenn Sie das Muster nachvollzogen haben und potenzielle Gefahren auf Anhieb erkennen.


Hier ist nun die Zusammenfassung des „Rezepts“ für diejenigen, die den Drang verspüren, dieses Wissen in die Praxis umzusetzen.


Universelles Dilemma: ungewollt in ein Drama-Dreieck geraten


Symptome: Verwirrung, emotionaler Stress, Besessenheit, Verstrickung, Impulsivität, Höhen und Tiefen.


Universelles Heilmittel: Drama-Dreiecke präventiv umgehen.


Faustregel: Niemand kann Sie zu etwas zwingen, es sei denn, Sie erlauben es.


Fakten:

  • Potenzielle Drama-Dreiecke werden immer um Sie herum sein. Sie sind nicht dazu verpflichtet, in sie einzutreten.

  • Sie sind für Ihr Leben verantwortlich; die Kontrolle dafür zu übernehmen ist angebracht.

  • Im Mittelpunkt jedes Dramas steht das Dreieck.

  • Man braucht drei Personen, um ein Dreieck zu bilden (wie man zwei Personen braucht, um Tango zu tanzen).

  • In Drama-Dreiecken, die lange bestehen, wird der Täter dazu tendieren, das Opfer zu isolieren, indem er selbst auch die Position des Retters einnimmt („Ohne mich kannst Du nicht überleben“). Auf diese Weise bleibt das Dreieck stabil und unter der Kontrolle des Täters.

  • Diejenigen, die in ihrer Kindheit in einem Drama-Dreieck gelebt haben oder noch keine Erfahrung damit hatten, eignen sich dafür, Tätern leicht zum Opfer zu fallen, insbesondere diejenigen, die ein großzügiges Herz und ein freundliches unschuldiges Wesen haben.

  • Täter können gefährlich sein; gehen Sie vorsichtig vor und erzählen Sie ihnen nicht, was Sie herausgefunden haben. Es ist besser, behutsam vorzugehen.

  • Sie nehmen selbst die Position des Opfers freiwillig ein, indem Sie sich ständig über Ihr Leben beschweren und nach jemandem Ausschau halten, der Sie rettet. So gelangen Sie sehr leicht in ein Drama-Dreieck.

  • Sie nehmen achtlos die Haltung des Retters ein, wenn Sie versuchen, andere Menschen ständig zu „retten“. Wählen Sie lieber eine sinnvolle Lebensaufgabe aus und setzen Sie sich dafür ein. Auf diese Weise können Sie anderen gezielter helfen und sorgen gleichzeitig für sich selbst.

  • Die Auf-und-Ab-Beziehung ist ein Drama-Dreieck, obwohl sie sich seltsamerweise wie Liebe anfühlen kann. Nüchtern betrachtet wissen wir, dass Liebe keinen solchen Kummer auslöst, ganz im Gegenteil. Dennoch kann es passieren, dass wir diesen Fakt vergessen. Plötzliche Entwicklungen in einer Beziehung, wie ein hastiges Zusammenziehen, übereilte Verlobungen und Ehen, sind Warnzeichen.

  • Seien Sie sich in jedem Drama-Dreieck bewusst, dass der Täter sich anderen gegenüber überzeugend als Opfer (oder auch Retter) ausgeben kann. Gleichzeitig deklarierte er das Opfer zum Täter. Achten Sie bei der Analyse eines Dramas auf echte Emotionen der Betroffenen und vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl, um den tatsächlichen Täter aufzuspüren.

  • Es gibt viele tugendhafte Menschen, die gelernt haben, erfolgreich Drama-Dreiecke zu umgehen und andere dabei zu unterstützen. Sie sind den Tätern zahlenmäßig überlegen. Suchen Sie nach solchen Vorbildern und lernen Sie von ihnen fürs Leben. Umgehen heißt nicht, eine konfliktvermeidende Haltung einzunehmen. Vielmehr geht es darum, die Realität zu sehen, wie sie ist, sich mit ihr auseinander zu setzen, daraus zu lernen und sie souverän zu managen.


Schritte:

  1. Verstehen Sie die Dynamik des Drama-Dreiecks wie oben beschrieben.

  2. Kennen Sie Ihre Trigger? Sind sie in erster Linie mit Wut, Angst oder Scham verwandt?

  3. Handeln Sie von der Beobachter-Position aus. Nehmen Sie eine ruhige, gelassene, neutrale und ruhige Haltung ein.

  4. Halten Sie Ihr Leben frei von Drama, indem Sie die Täter erkennen und behutsam umgehen.

  5. Bringen Sie anderen das Muster des Drama-Dreiecks bei, aber verstricken Sie sich nicht in ihre Angelegenheiten.

Manchmal braucht das Opfer Zeit, die Kraft für den Ausbruch aus einer Dreiecks-Situation aufzubringen. Das Opfer muss sich idealerweise aus eigener Kraft und Überzeugung retten, damit die Lösung nachhaltig bleibt.


Ergebnis:

  • Sie sparen Zeit und Mühe.

  • Sie gewinnen den Frieden eines unbekümmerten Geistes und lernen fürs Leben.

  • Sie gewinnen Zeit und Energie, um sich auf Ihre eigenen Lebensziele zu konzentrieren.

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Hinweis an den Leser:

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Bild: pexels-mart-production-7699488 (angepasst)


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